GKSS Forschungszentrum, Wednesday, 08-Feb-2012 05:25:29 CET
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30.06.2010 News

Zweiter Platz für GKSS-Meeresüberwachungssystem beim EUREKA Innovation Award

Zum 25-jährigen Bestehen der europäischen Forschungsinitiative EUREKA wurde am 24. Juni in Berlin der EUREKA Innovationspreis verliehen. Das Projekt MERMAID des GKSS-Forschungszentrums Geesthacht gewann hierbei den zweiten Preis. MERMAID steht für “Marine Environmental Remote-controlled Measuring and Integrated Detection”. Das im Jahr 1996 abgeschlossene Projekt konnte sich damit unter mehr als 3.000 durch die Initiative geförderte Projekte durchsetzen. Die Nachfolger des damals wegweisenden Projektes sind heute in den nördlichen Meeren im Einsatz.

Dr. Friedhelm Schroeder (2.v.l.) bei der Preisverleihung in Berlin [Download] Dr. Friedhelm Schroeder (2.v.l.) bei der Preisverleihung in Berlin [Download]

Maßgeblich entwickelt wurde das Projekt im GKSS-Forschungszentrum Geesthacht unter der Leitung von Dr. Friedhelm Schroeder. „Uns gelang mit MERMAID eine zukunftweisende Lösung für die weltweite Gewässerüberwachung“, erklärt Friedhelm Schroeder. „Als Nachfolger entwickeln wir heute das integrierte Küstenbeobachtungssystem COSYNA für die Nordsee. “

MERMAID wurde 1984 mit dem Ziel initiiert, die Beobachtung von Küstengewässern bezüglich ihrer Wasserqualität zu verbessern und kostengünstiger zu gestalten. Damals erfolgte die Überwachung der Meere fast ausschließlich über Schiffsfahrten mit Probenahme und anschließenden Laboranalysen an Land – eine sehr teure Methode, die zudem viele kurzfristig auftretenden Ereignisse nicht erfasste. GKSS koordinierte erstmals einen europäischen Verbund aus Wissenschaftlern und Industrie, der ein Prototypnetz aus automatischen Beobachtungsstationen aufbaute. Computergesteuerte, miteinander vernetzte Messstationen maßen die Wasserqualität und kommunizierten mit Stationen an Land über Funk.

Datenübertragung im Vor-Internetzeitalter

GKSS-Wellenmessradar auf dem Leuchtturm Hörnum [Download] GKSS-Wellenmessradar auf dem Leuchtturm Hörnum [Download]

Mitte der 80er Jahre gab es noch keine Mobiltelefone, Satellitenübertragungen waren unbezahlbar und es gab kaum Messgeräte für wichtige Wasserqualitätsparameter. Die Wissenschaftler entwickelten darum viele Komponenten neu. Schließlich wurde ein automatisiertes Prototypnetz vor der Elbemündung aufgebaut und gründlich auf Funktion und Langzeitbeständigkeit getestet.

Seit 2009 wird unter Verwendung des ursprünglichen Konzepts das „Coastal Observation System for Northern and Arctic Seas“ (COSYNA) aufgebaut, in das weitere automatische Stationen, Radargeräte zur Fernmessung von Strömungen, autonome Unterwassergeräte sowie Fernerkundungsmessungen von Satelliten aus zu einem großen Messnetz integriert wurden. Ein Beobachtungsmodul, in dem Sensoren aus der MERMAID-Entwicklung zur Anwendung kommen, ist die „FerryBox“, ein automatisiertes Wasserqualitäts-Messsystem, das auf regelmäßig verkehrenden Fähren und Containerschiffen eingesetzt wird. Solche „FerryBoxen“ werden inzwischen von einer Industriefirma in Lizenz gebaut und international vertrieben.

Das GKSS-Forschungsschiff Das GKSS-Forschungsschiff "Ludwig Prandtl" im Einsatz in der Nordsee [Download]

Eine wesentliche Erweiterung auf dem Weg von MERMAID zu COSYNA besteht in der routinemäßigen Anwendung mathematischer Modelle zur synoptischen Beschreibung des Zustands der Nordsee: Alle Beobachtungsdaten werden automatisch in diese Modelle eingespeist und sind im Internet frei zugänglich. Damit erhält man nicht nur eine flächendeckende Übersicht über den ozeanographischen und biogeochemischen Zustand der Nordsee, sondern es werden sowohl Kurzzeitprognosen über den Zustand abgegeben als auch Szenarios über zukünftige Änderungen infolge des Klimawandels gerechnet.

Verschiedenen Nutzer aus Wissenschaft, Behörden und Umweltverbänden erhalten dadurch die wissenschaftlichen Grundlagen, um die Umweltsituation der deutschen Küstengewässern zu beurteilen und Entscheidungen anhand von zuverlässigen Informationen treffen zu können.

Film & weitere Infomationen

MERMAID - in einem Film anläßlich des EUREKA Innovation Award kurz vorgestellt:

Film


MERMAID - Early Pollution Warning System Opens Prospect of Cleaner Seas [Cordis]


Glossar

Ansprechpartner

Dr. Friedhelm Schroeder

Institut für Küstenforschung

GKSS-Forschungszentrum Geesthacht

Max-Planck-Str. 1, 21502 Geesthacht

Telefon: +49(0)4152 87-2371

E-Mail Kontakt

EUREKA

Die 1985 gegründete europäische Forschungsinitiative EUREKA bietet Unternehmen und Wissenschaftsorganisationen den Rahmen für grenzüberschreitende und marktorientierte Kooperationen in Forschung und Technologieentwicklung. EUREKA löste seit seiner Gründung Gesamtinvestitionen von rund 23 Milliarden Euro aus. Derzeit zählen 38 Staaten und die Europäische Kommission zu den Vollmitgliedern. Seit Juli 2009 hat Deutschland zum dritten Mal nach 1985 und 1999/2000 die EUREKA-Präsidentschaft übernommen. Mehr Informationen unter

www.eureka.dlr.de


FerryBox

Nach 1996 wurde das MERMAID-Netz demontiert, da der Betrieb sehr kostenintensiv war: Für Wartungsarbeiten musste jeweils ein Schiff gechartert werden. Um die hohen Kosten zu vermeiden, wurden Fähren und Containerschiffe mit Messgeräten ausgerüstet. 1999 wurde die erste „FerryBox“ von GKSS unter Nutzung der MERMAID-Technologie gebaut. Dabei kamen verschiedene, in MERMAID entwickelte Module zum Einsatz. Die Module werden im Innern der Fähre installiert und Wasser aus dem Kühlkreislauf des Schiffs fließt an den Sensoren vorbei. Von Zeit zu Zeit wird automatisch angesäuertes Wasser mit hohem Druck zur Reinigung der Sensoren verwendet. Dadurch sind die Messungen wesentlich stabiler und die Wartungsintervalle wesentlich länger. Dadurch fallen die laufenden Kosten wesentlich kleiner aus. Das Vernetzungskonzept und die bi-direktionale Telemetrie von MERMAID werden heute mit mehreren Fähren sowie mit moderner Technologie (Mobiltelefone. Satellitenverbindungen) weiterhin genutzt.

COSYNA

Nachdem mehrere FerryBoxen in der Nordsee von GKSS betrieben wurden, entstand der Wunsch die Technologie auszuweiten, um ein noch besseres Verständnis sowie Möglichkeiten zur Vorhersage des Umweltzustands in der Nordsee zu erhalten: Kurzzeitvohersagen ähnlich dem täglichen Wetterbericht, aber auch Langzeit-Szenarios im Rahmen der Klimaänderung. Dies wurde durch ein vom Ministerium für Bildung und Forschung finanziertes Projekt „COSYNA“ (=Coastal Observation System for Northern and Arctic Seas) möglich. Ausgehend von verschiedenen FerryBoxen und Messpfählen im Watt, die bereits existierten, werden weitere Module installiert und in einem großem Beobachtungsnetz integriert: Weitere automatische Stationen von Land aus und auf Windenergieplattformen, Radargeräte zur Fernmessung von Strömungen, autonome Unterwassergeräte, Fernerkundung von Satelliten aus.

COSYNA mit einem Investitionsvolumen von 9,4 Millionen Euro wird zusammen mit führenden deutschen Institutionen aus Wissenschaft und Überwachungsbehörden als Langzeitbeobachtungssystem aufgebaut. Alle Daten aus den Stationen werden automatisch in numerische Modelle für Prognosen eingespeist und per Internet der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Damit kann jederzeit ein synoptisches Bild der Nordsee erhalten werden und verschiedenen Nutzer aus Wissenschaft, Behörden und Umweltverbänden werden in die Lage versetzt, die Umweltsituation der deutschen Küstengewässern zu beurteilen. Zukünftig soll COSYNA in europäische Strukturen integriert werden.

www.cosyna.de


Veranstaltungen

Coastal Observing System for Northern and Arctic Seas

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